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Dauerausstellungen

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Vier Epochen, zwei Spezialfelder: unsere Dauerausstellungen

Die Ära der Besiedlung von Sangerhausen ist nicht viel mehr als ein Wimpernschlag der Erdgeschichte. Die Ursprünge des heimischen Kupferschiefers zum Beispiel liegen bereits 250 Millionen Jahre zurück, Mammuts streiften hier vor 500.000 Jahren durch die Menschen, deren Spuren im Spengler-Museum zu sehen sind, waren teilweise schon vor 5000 Jahren in der Region unterwegs. Unsere Dauerausstellungen widmen sich den prägenden vier Epochen unserer Vor- und Stadtgeschichte und geben einen tiefen Einblick in die damit verbundenen geologischen und naturkundlichen Zusammenhänge. Übrigens: Viele Exponate und Schautafeln sind entsprechend unserem Bildungsauftrag speziell für Kinder und Jugendliche aufbereitet.

<a id=Die Geologie der Region">

Die Ausstellung zeigt die typischen Gesteine, Fossilien und Mineralien der Region. Kupferschiefer und Gipskarst prägen die Kulturlandschaft.

Der Kupferschiefer, ein Sediment (Gestein) aus dem Erdzeitalter des Perms vor 250 Millionen Jahren, enthält Kupfererz, das hier seit dem Mittelalter abgebaut wurde, sowie Fossilien – vor allem von Bäumen und Fischen. Der Sangerhäuser Anhydrit ist ein wasserlösliches Gestein. Deshalb gibt es Karsterscheinungen wie unterirdische Hohlräume, Erdfälle und Bachschwinden (Erd- oder Sumpflöcher). Auch Ablagerungen der Eiszeit, in denen das von Gustav Adolf Spengler ausgegrabene Mammutskelett lag, sind zu finden.

Ein Nord-Süd-Modell verdeutlicht den geologischen Aufbau der Region, die sich vom Forsthaus Schwiederschwende im Südharz durch das Helmetal und die Goldene Aue bis hinauf zum Kulpenberg des Kyffhäusergebirges zieht.

<a id=Naturgeschichte im Wandel der Zeiten">

Die Goldene Aue war über Jahrhunderte eine naturnahe Auenlandschaft, reich an Gewässern, Wäldern und Wiesen. Heute ist sie eine weite, nahezu waldfreie, von der Helme durchflossene Niederung, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Von der ehemaligen Auenvegetation zeugen nur noch wenige kleine Flächen. Der Stausee Kelbra, angelegt 1967, dient als Hochwasserschutz für die Helme. Er ist Lebensraum für viele Arten von Wasservögeln und bietet Rastplätze für Zugvögel.

Nördlich von Sangerhausen beginnen die Höhenzüge des Südharzes. Die Rodung des ursprünglichen Mischwald-Urwaldes und die Gründung von Dörfern begann im Mittelalter. Ein besonderes Tier im Südharz und bis heute bei Sangerhausen ein heimlicher, aber typischer Waldbewohner ist die Europäische Wildkatze. Als Lebensraum bevorzugt die scheue und nachtaktive Jägerin ausgedehnte, ursprünglich belassene Mischwälder mit viel Totholz. Erst seit dem 18. Jahrhundert gibt es in dieser Gegend Nadelwald, angepflanzt als Nutzholz.

Im Spengler-Museum wird die heutige Tier- und Pflanzenwelt der Goldenen Aue und des Südharzes als Präparate in lebensnahen Dioramen vorgestellt.

<a id=Über die Tierwelt vor und in der Eiszeit">

Die Attraktion des Spengler-Museums ist das Skelett des Steppenmammuts von Edersleben. Es wurde zwischen 1930 und 1933 in einer Kiesgrube bei Edersleben von Gustav Adolf Spengler ausgegraben. Der Vorläufer des Wollhaarigen Mammuts ist ein weibliches Exemplar, für das ein Alter von 45 – 50 Jahren angenommen wird. Es lebte vor der Elsterkaltzeit vor ca. 500.000 Jahren.

Weitere Relikte einer warmzeitlichen Tierwelt, die vor der Elster-Vereisung existierte, barg man von 1954 – 1963 in der Tongrube Voigtstedt. Unter den Funden sind Überreste von Nashörnern, Säbelzahnkatzen, Riesenhirschen und Südelefanten.

Im Mammutsaal werden zahlreiche Fossilien aus der Eiszeit ausgestellt, die als Einzelfunde häufig in der Umgebung von Sangerhausen entdeckt werden. Außerdem gibt es Informationen über die Evolution des Mammuts und den Verlauf der Eiszeit im Thüringer Becken.

Seit über 100 Jahren werden in Sangerhausen und Umgebung Funde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit gesammelt, zunächst vom Verein für Geschichte von Sangerhausen und Umgegend. Gustav Adolf Spengler war ein versierter Amateurarchäologe, der auch kleine Grabungen durchführte, wenn auf Äckern oder in Baustellen Fundstücke entdeckt wurden.

Zahlreich sind die Funde aus der Jungsteinzeit (ca. 5000 – 1800 v. Chr.), der Bronzezeit (ca. 1800 – 700 v. Chr.) und der Eisenzeit (700 v. Chr. bis 0). In der Jungsteinzeit kannte man bereits Ackerbau und Viehwirtschaft. Erstmalig sind auch Hausbau, Töpferei, Spinnen und Weben nachgewiesen. Werkstoffe waren Holz, Knochen und Stein. Von Bedeutung war der Totenkult, wie die Grabkammer auf dem Schanzenhügel bei Bennungen und das Doppelgrab von Mittelhausen belegen.

Mit dem Werkstoff Bronze entwickelte sich die Metallurgie. Beispiel für eine beginnende soziale Differenzierung in der frühen Bronzezeit ist das „Fürstengrab“ von Nienstedt. In diese Zeit gehören auch Funde aus der „Diebeshöhle“ bei Uftrungen.

Hinweise auf Eisenverhüttung geben Funde von Eisenschmelzstellen bei Emseloh, Beyernaumburg und Einzingen. Ausgestellt sind Grabbeigaben aus Eisen und Bronze von den Urnengräberfeldern bei Brücken (50 v. Chr. – 50 n. Chr.) und bei Bennungen (3. Jh.). In Sangerhausen fand man das Grab eines Mannes aus der Völkerwanderungszeit (5./6. Jh.), der mit Schwert, Lanze und Schild bewaffnet war.

<a id=Lebens- und Wirtschaftsweise im Mittelaltert">

Die Umgebung von Sangerhausen ist reich an historischen Zeugnissen des Mittelalters. Im 10. Jahrhundert gab es im Südharz bedeutende Krongüter. In Wallhausen, Allstedt und Tilleda lagen Pfalzen, in Rottleberode, Berga, Breitungen und Lengefeld königliche Höfe. Die 5,6 Hektar große Anlage der Pfalz Tilleda wurde ausgegraben und als Freilichtmuseum ausgebaut. Steinerne Bauten waren für den König und sein Gefolge bestimmt. Sie waren durch Wälle und Gräben geschützt. In dem vorburgartigen Teil der Pfalz lebten die Handwerker in einfachen Grubenhäusern. Schutz bot eine steinerne Umfassungsmauer, an der auch die Häuser der Wachmannschaft standen.

Die Ausgrabung des mittelalterlichen Dorfes Hohenrode bei Grillenberg gibt Einblick in die bäuerliche Lebens- und Wirtschaftsweise des Mittelalters. Steinerne Fundamente von Gebäuden des 12. – 14. Jahrhunderts haben sich bis heute erhalten und können im Wald besichtigt werden. In der Ausstellung des Spengler-Museums sind Modelle von Tilleda und Hohenrode sowie mittelalterliche Originalfundstücke zu sehen.

<a id=Vom Dorf „Sangarhusen“ zur Industriestadt">

Ein Dorf „Sangarhusen“ wird Ende des 8. Jahrhunderts in einem Güterverzeichnis des Klosters Fulda erwähnt. Es lag im Bereich des heutigen Sangerhäuser Bonifatiusplatzes. Im 10. Jahrhundert errichtete ein sächsisches Grafengeschlecht südlich des Dorfes einen Hof, um den sich Bauern und Handwerker ansiedelten. Im 11. Jahrhundert entstand im Schutze des Adelshofes eine Marktsiedlung. Beide Siedlungen wuchsen zur Stadt Sangerhausen zusammen. Die dörfliche Siedlung des 8. Jahrhundert wurde zum „Altendorf“. Im 13. Jahrhundert erfolgte eine planmäßige Erweiterung der Stadt. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren Handel, Handwerk und Ackerbau. Auch der Kupferbergbau spielte vom späten Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) führte die Stadt wirtschaftlich in den Ruin.

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch Sangerhausen zur Industriestadt. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt, abgesehen vom Verlust des Bahnhofs und des Gaswerks, fast ohne Gebäudeschäden. Einen großen Aufschwung erlebte Sangerhausen in der DDR (1949 – 1990) durch den Aufbau des Thomas-Müntzer-Schachts. Der in großem Stil wiederaufgenommene Kupferbergbau brauchte viele Arbeitskräfte und die Einwohnerzahl von Sangerhausen verdreifachte sich. Rund um die Altstadt entstanden moderne Neubaugebiete.

Anziehungspunkt in der Ausstellung zu Stadtgeschichte ist das von Gustav Adolf Spengler angefertigte Modell der Stadt Sangerhausen um 1750. Damals war die Stadt noch vollständig von einer hohen Stadtmauer geschützt. Museumsobjekte aus sieben Jahrhunderten, erläutert durch Bilder, Karten und Texte, veranschaulichen die Sangerhäuser Stadtgeschichte bis in die jüngere Vergangenheit.

Einar Schleef (1944 – 2001) wurde als Sohn eines Architekten in Sangerhausen geboren. Er war ein erfolgreicher und zugleich umstrittener Theaterregisseur der Moderne. Neben seiner Theaterarbeit war Schleef auch Schriftsteller, Maler und Grafiker und Fotograf. In seinem Roman „Gertrud“ verarbeitete er das Leben seiner Mutter in Sangerhausen. Dabei rekonstruierte er nicht nur den Ort und die Ereignisse, sondern auch die vom Dialekt gefärbte Sprache der Einwohner und machte Sangerhausen so zum Literatur-Ort. Die Zeichnungen und Gemälde von Einar Schleef befinden sich heute im Bestand des Landeskunstmuseums Moritzburg in Halle.

Die Ausstellung, gestaltet vom Einar-Schleef-Arbeitskreis e. V., bietet einen Einstieg in das vielseitige künstlerische Schaffen von Schleef und regt dazu an, sich näher mit seinem Schaffen zu beschäftigen. In den 1970er-Jahren arbeitete Schleef am Berliner Ensemble. Seine Inszenierungen waren in der DDR politisch umstritten. Als Schleef 1976 mit einem Arbeitsauftrag nach Wien abgeschoben wurde, beging er von dort „Republikflucht“ nach Westberlin. Mitte der 1980er-Jahre wirkte er in Frankfurt am Main. Dort entstand auch sein Roman „Gertrud“. Zuletzt hatte Schleef große Erfolge am Burgtheater in Wien, wo er Stücke von Elfriede Jelinek inszenierte.